Ein heisser und trockener Sommer, der zu akutem Trinkwassermangel und wegen den tiefen Pegelständen in den Flüssen auch zu Strommangel führt, aber auch sehr kalte Winterwochen mit Tagestemperaturen von -12°C; das ist der Preis, den wir alle wegen dem zu hohen CO2-Ausstoss zu bezahlen haben.

Anstelle zu jammern, sollte die Devise lauten: "Selber handeln, wenn es auch persönlich etwas Geld kostet." Eine mögliche Antwort gegen CO2 und Aussenlärm und für die Behaglichkeit von Körper und Geist heisst:

1. Minergiehaus in Egliswil

Ein Bericht von Jakob Stenz, c/o Stenz AG Ing.Büro HLS, 5610 Wohlen

v.l.n.r  Rudolf Humm Kt. AG, Christian Meier Hypothekarbank Lenzburg, Jakob Stenz mit Minergie-Label und Erich Thalmann Hypothekarbank Lenzburg

Am 23. September 2003 wurde durch die Energiefachstelle des Kanton Aargau, das Einfamilienhaus der Familie Stenz, an der Ammerswilerstrasse 571 in Egliswil mit dem Minergie-Label AG 078 offiziell ausgezeichnet. Die Familie Stenz wohnt seit genau einem Jahr in ihrem selbst geplanten EFH und ist von den Vorzügen des Niedrig-Energiehauses begeistert.

Das Haus wurde in der Holzständer-Bauweise erstellt, mit der nebst einer kurzen Bauzeit auch ein optimaler Dämmwert erzielt wurde. Manche fragen sich, wenn man die Südseite betrachtet, wie kann ein Haus ein Minergie-Label erhalten, wenn ein verglaster Wohnraum die Fassade beherrscht. Herr Stenz, mit einem eigenen Ingenieurbüro für Haustechnikplanung in Wohlen, hat beim Gestallten und Planen des Eigenheims an sämtlichen Registern gezogen um den Energieverbrauch von den vorgegeben Maximum 42 kWh/m2 und Jahr zu erreichen. Der für das EFH berechnete Energiebedarf für Heizung und Warmwasser von 41.6 kWh/m2 und Jahr kann wie folgt eingehalten werden:

Die Wärmeerzeugung erfolgt über eine Sole/Wasser Wärmepumpe mit einer Stromaufnahme von 1.58 kW und mit einem durchschnittlichen Leistungskoeffizienten von 3.5. Dies ergibt eine Heizleistung von 5,5 kW (1.58kW x 3.5).

Das Warmwasser wird primär mit einer Solaranlage mit 5.2 m2 Absorberfläche aufbereitet. Bei starker Bewölkung wird das Warmwasser über die Wärmepumpe erstellt.

Um in der Heizperiode durch Fensterlüften nicht unnötig Wärme zu verlieren, ist eine Komfortlüftung eingebaut. Diese Art von Lufterneuerungsanlage ergibt eine Energieeinsparung, bei einer durchschnittlichen Aussentemperatur von +1°C, von rund 68%. Der bei einem herkömmlichen EFH, durch Fensterlüften entstehende Energieverlust entspricht, in Heizoel umgerechnet, ca. 2.5 Liter pro Tag. Mit einer Komfortlüftung sind dies noch ca. 0.8 Liter Heizoel. Und der letzte Winter hat es bewiesen. Wer schläft bei –12°C Aussentemperatur mit offenem Fenster. Eine Komfortlüftung bringt kontinuierlich frische Luft u.a. ins Schlafzimmer und hält somit den Kohlendioxyd-Gehalt (verbrauchte Atemluft) sehr tief, was einen guten Schlaf und kein Kopfweh am Morgen verspricht.

Als Entschädigung für die grösseren Mehrinvestitionen in die Gebäudehülle und die Haustechnik erhalten die Bauherren sehr geringe Betriebskosten. Für Heizung und Warmwasser sind noch jährliche Stromkosten von ca. Fr. 400.00 zu erwarten.

Aber nicht nur an ein energiefreundliches Haus wurde gedacht. Im Vordergrund stand ein gemütliches Wohnen mit umweltfreundlichen Baumaterialien.

Auch das Trinkwasser bzw. das Brauchwasser ist ein Thema, gerade Heuer, im Jahr des Wassers. Das EFH besitzt eine Regenwassernutzungsanlage mit einem erdverlegten Tank, mit 6.5m3 Inhalt. Das Regenwasser wird verwendet für die WC-Spülung, die Gartenventile und für die Waschmaschine. Die Einsparung an Trinkwasser beträgt hier etwa 50 Liter pro Person und Tag. In diesem sehr trockenen Sommer musste nur während 2 x einer Woche mit Trinkwasser nachgeholfen werden.

Elektrosmog, wie spürt man den auf das Nervensystem einwirkenden Übeltäter? Die Wissenschaftler streiten sich, die Familie Stenz hat gehandelt.

Die Elektroleitungen wurden sternförmig verlegt und nicht geschlauft. Im weiteren sind die Elektroleitungen für die Schlafzimmer über ein Netzfreischaltungsgerät geführt. Dieses Gerät spürt, wenn kein Strom benötigt wird und macht die Elektrozuleitungen spannungsfrei.

Das Minergie-Label hat auch für die Bank-Institute eine wichtige Bedeutung. Das Label garantiert bezüglich Luftqualität, thermischer Behaglichkeit, Energieverbrauch und Schutz gegen Aussenlärm eine überdurchschnittliche Werterhaltung und ist somit für die Investoren ein besseres Renditeobjekt als ein herkömmlich gebautes Einfamilienhaus.

Eine negative Seite hat jedoch das Minergie-Label für die Familie Stenz und Leute, die ein solches Haus bauen wollen. Durch die Mehrinvestitionen zugunsten der Umwelt, zahlt der Bauherr mehr Abgaben an die öffentliche Hand. In diesem Fall sind die Gebühren für die Baubewilligung und den Wasseranschluss immer noch leider abhängig von der Bausumme.

 

Das Minergie-Haus AG 078

Hausansicht Süd mit verglastem Wohnraum und Sitzplatz mit Pergola. Auf dem Dach 5.2m2 Sonnenkollektoren. Diese haben seit Ende Februar den Warmwasserbedarf der vier köpfigen Familie bis Ende September voll abgedeckt.

   

Hausansicht Nord mit Vorplatz und Carport

 

v. l. n. r. „Backbox“ oder das Hirn der Solaranlage von Vögelin Solartechnik, mit Wassererwärmer und Sole/Wasser -Wärmepumpe von Calmotherm.

  

Der Ventilator der Komfortlüftung von Zehnder Comfosystem mit einer integrierten Wärmerückgewinnung. Von der Gebäudeabluft wird ein Teil der Wärme auf die kalte Aussenluft übertragen. Somit strömt vorgewärmte Zuluft in die Wohn- und Schlafräume. Zugleich reinigt ein Pollenfilter die angesaugte Frischluft.

 

v.l.n.r. Trinwasserverteilbatterie mit rostfreien Verteilleitungen. Regenwasserdruckerhöhungsanlage mit Druckgefäss, damit nach einer WC-Spülung die Druckpumpe nicht anläuft. Miele „Allwater“ Waschmaschine wäscht mit Regenwasser und spart somit Waschmittel ein und der Weichspüler ist kein Thema mehr.

   

Sole/Wasser Kompakt-Wärmepumpe von Calmotherm. Die Sole in der Erdsondenleitung erwärmt sich im Erdreich und kommt mit ca. 6°C in die WP. Im Verdichter werden 5 Kelvin Wärme entzogen und über den Verdampfer auf eine höhere Betriebstemperatur gebracht. Im letzten Winter getestet, genügen für die Bodenheizung bei –12°C eine Vorlauftemperatur von 35°C, damit im Haus eine Raumtemperatur von +23°C herrschte.

 

Egliswil+Wohlen, den 24.09.2003

STENZ AG – Ingenieurbüro Heizung Lüftung Sanitär – Aargauerstr. 2  – 5610 Wohlen                         Fon ++41 (0)56 622 07 07 – Fax ++41 (0)56 622 07 33 – info@stenz.ch